"Vervielfältiger - Unerreicht" - wie auch der Unkeler Verwaltung im Jahr 1909 mal ein Missgriff passierte...

Im Januar 1909 erschien ein reisender Handelsvertreter im Unkeler Bürgermeisteramt und pries ein neuartiges Kopiergerät an, den Vervielfältiger „Unerreicht“.

Mit dem Slogan „Zeit ist Geld“ schilderte der Vertreter dem Beigeordneten Heinrich Hattingen und den zwei Beamten die Vorzüge dieses Hektographen: „einfachste Handhabung, sichere, schnelle und saubere Herstellung von Abzügen“.

Hersteller des Geräts waren die Fabrikanten für chemisch-technische Artikel, Geschwister Koch in Elberfeld. Gemäß dem Werbeprospekt rühmten sie sich, Lieferanten mehrerer königlicher Hoheiten und zahlreicher Zivil- und Militärbehörden sowie unzähliger weiterer renommierter Kunden zu sein.

Die Unkeler Herren waren offenbar beeindruckt und ließen sich auf die Bestellung ein. Der Vertreter riss ein Zettelchen aus einem Notizblock und schrieb:
„26. I. 1909 Bürgermeisteramt Unkel/Rh.
1 Doppelfolio Mk. 30,--„ .
Eine Durchschrift dieser „Bestellung“ überlies er den Herren und notierte darauf noch
„1 Tinte schwarz Mk. 1,-- Zur Probe“.
Der Hektograph samt der chemischen Masse kam per Post.
Bei näherer Auseinandersetzung mit der „Gebrauchs-Anweisung“ stellte man wohl ziemlich schnell fest, dass die Handhabung keineswegs einfach, schnell und sauber war.

Man schickte das Gerät am 8.02.1909 nach Elberfeld zurück.
Umgehend kam das Paket mit der Meldung des Kaiserlichen Postamtes 1 in Elberfeld zurück, dass der Empfänger „Geschw. Koch“ die Annahme verweigert habe.

Der Bürgermeister und seine Adlaten wurden nun gewahr, welche Interpretation der verheißungsvolle Name des Geräts „Vervielfältiger Unerreicht“ auch noch haben konnte.
Bürgermeister Biesenbach schickte einen wütenden Brief nach Elberfeld mit einer Fristsetzung von 7 Tagen und der Androhung harter Konsequenzen, falls die Rücknahme des „zur Probe“ überlassenen Geräts weiterhin verweigert werde.


Transkript des Brieftext von Bürgermeister Biesenbach:
„Nach einer heute hier eingegangenen Nachricht des Kaiserl. Postamtes 1 Elberfeld haben Sie die Annahme des von hier zurückgeschickten Vervielfältigungs-Apparates verweigert.
Hierzu bemerke ich daß der betr. Apparat Ihrem Reisenden am 26.1.09 in Gegenwart des Beigeordneten und der 2 Beamten ausdrücklich nur auf Probe bestellt war.
Diesen Vermerk trägt auch die von dem Reisenden hier zurückgelassene Kopie des Bestellscheines. Der Apparat ist s. Zt. unfrankiert hier eingegangen, wofür 60 Pfg. bezahlt wurden.
Da derselbe Apparat sich für diesseitige Zwecke als nicht geeignet erwies wurde er auch wieder unfrankiert zurückgeschickt.
Falls Sie den Apparat nicht innerhalb der gesetzten Frist von 7 Tagen in Empfang nehmen mache ich Sie für jeden Schaden verantwortlich.“
Über den Fortgang des Streits schweigen die Akten.
Wie man sieht, waren solche Haustürgeschäfte auch früher nicht ohne Risiko.
