"Postwesen in Unkel" - wie entwickelte sich das Postwesen in Unkel seit der Gründung in 1846...

Seit 180 Jahren hat Unkel eine Poststelle.
Lange hatten die Unkeler darum gerungen, ehe am 1. Februar 1846 endlich eine „Königlich-Preußische Postexpedition“ eröffnet wurde.
Der „Königliche und Communal-Empfänger“ Bux wurde mit der Aufgabe betraut.
Hauptsächlich war Herr Bux für die Eintreibung und Verwaltung der Steuern verantwortlich.
Nun mußte er auch für den Empfang und die Verteilung der Brief- und Paketpost sorgen.
Dies geschah von seiner Wohnung am Grabenweg 34 (heute Nachfolgebau Pantaleonstr. 7) aus. Ein Landbriefträger stellte mehrmals pro Woche Briefe, Pakete und Geldsendungen in Unkel, Heister, Bruchhausen und Orsberg zu.
Rheinbreitbach hatte einen eigenen Zusteller.

Ab 1850 übernahm der Gastwirt des „Unkeler Hofs“, Johann Josef Clasen die Postexpedition in den Räumen des ehemaligen „Ursulinenhofs“ am Unteren Markt.
Im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte stieg das Postaufkommen stark an. Deshalb stufte die Oberpostdirektion Koblenz die Unkeler Postexpedition zu einem Postamt hoch, das von einem hauptamtlichen
Postverwalter mit mehreren Bediensteten geführt wurde.
Friedrich Wilhelm Nußbaum wurde zum 1. Juni 1878 als Postverwalter von Kruft nach Unkel versetzt.
Die Post wurde nun wieder am Grabenweg 34 bearbeitet.
Erst 10 Jahre später, 1888, verlegte Nußbaum das Postamt in sein gerade gekauftes Wohnhaus Hauptstr. 118 (heute Frankfurter Str. 22).
Dort war allerdings auch nicht ausreichend Platz für die Abwicklung des Postbetriebs.


Da ergab es sich, dass die Nachkommen des verstorbenen Schmieds und Schlossers Heinrich Fuchs eine neue Nutzung für das große Gebäude der Eltern neben dem Bügeleisenhaus am Oberen Markt suchten.
Dieses Haus hieß einst „Im Schwanen“. Über der Kellertür las man die Jahreszahl „1615“. Die Backsteinfassade war aber sicherlich wesentlich jünger. Das Grundstück ist rückwärtig auch von der Lehngasse her zugänglich.
Heinrich Fuchs hatte die Schmiede und Schlosserei an den Grabenweg verlegt,
wo er das Haus Nr. 36 (heute Pantaleonstr. 11) erworben hatte.
Nach Heinrichs Tod 1884 führte der Schmied und Schlosser Hermann Josef Honnef nicht nur den Betrieb weiter
sondern verlobte sich auch mit Heinrichs Tochter Angela Franziska Fuchs.

Honnef war es vermutlich, der dem Postverwalter Nußbaum den Gedanken schmackhaft machte, das Postamt in das leerstehende Gebäude am Oberen Markt zu verlegen.
Wie sich bald herausstellte, war H.J. Honnef weit mehr als ein Handwerker. Er entwickelte sich zum Bauunternehmer, dem viele stattliche Gebäude in Unkel zu verdanken sind.
Die notwendige bauliche Anpassung des Hauses an die Bedürfnisse des Postverwalters war wohl das erste Bauprojekt von H.J. Honnef, dem viele weitere folgten.
Ob Honnef die Backsteinfassade mit dem auffälligen Treppengiebel geschaffen hat oder diese bereits vorher bestand, ist leider ungeklärt.

In das Jahr 1891 fällt der Umzug durch Fr.W. Nußbaum in das neue „Kaiserliche Postamt“ mit der Adresse Kirchgasse 23 (heute Frankfurter Str. 21) und die Heirat von H.J. Honnef mit Angela Franziska Fuchs.
Sie und ihr Bruder Josef Fuchs, Kammergerichtsreferendar in Berlin, schlossen den Mietvertrag mit Fr. W. Nußbaum.

Bereits nach 13 Jahren überzeugte H.J. Honnef den Sohn und Nachfolger von Fr. W. Nußbaum, Peter Nußbaum, von einem erneuten Umzug.

Honnef ließ in der Bahnhofstr. 220
(heute Nr. 10) das dort stehende stattliche Haus errichten und vermietete es als neues „Kaiserliches Postamt“ an Peter Nußbaum, der im Obergeschoß eine Wohnung bezog.

Während der Nazi-Herrschaft leitete Lorenz Herrig aus Altenahr das Postamt
und wohnte mit Frau und 7 Kindern in der ersten Etage.

In dem geräumigen Kellergeschoß wurde ein Luftschutzkeller eingerichtet.
Als am 8. März 1945 die amerikanischen Soldaten Unkel besetzten wurden 47 Personen, die aus ihren Häusern evakuiert worden waren, in dem Posthaus zusammengepfercht.
Seit den 1920er Jahren traten häufig Extremhochwasser auf, bei denen die Bahnhofstraße betroffen war. Das 1970er Hochwasser veranlasste die Oberpostdirektion, nach einem hochwasserfreien Standort zu suchen.
1971 kaufte man dem Postbeamten Paul Winkelbach sein Haus Frankfurter Str. 1 ab.
Dieses Gebäude aus dem 18. Jahrhundert prägte zusammen mit dem gegenüber liegenden „Unkeler Kreuz“ den Eingang zur historischen Altstadt.
Als der Verputz entfernt wurde, trat das imposante Fachwerk zum Vorschein.


Gegen erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung ließ die Deutsche Bundespost das Gebäude 1973 abreißen. Dann passierte nichts mehr.
1979 intervenierte der Unkeler Bürgermeister Hans Hafener:
„Das Grundstück des abgerissenen „Winkelbachhauses“ ist in einem miserablen Zustand. Es ist unglaublich, dass sich ein solches Grundstück in exponierter Lage als Schandfleck seit Jahren im Eigentum einer Bundesbehörde befindet, ohne dass daran gedacht werde, eine Änderung herbeizuführen und eine Verbesserung des Stadtbildes vorzunehmen. Bei einer Aktion für die ungepflegtesten unbebauten Grundstücke würde die Deutsche Bundespost in Unkel den ersten Platz erhalten“.
Erst 11 Jahre nach dem Abriss begann im Oktober 1984 der Neubau auf einem zurückliegenden Teil des 1100 qm großen Grundstücks.

Die 1986 bezogene Postfiliale erhielt wegen der misslungenen Architektur den Spitznamen „Kapellchen mit Affenkäfig“.
Schon 13 Jahre später erfolgte die Schließung.
Seitdem drängeln sich die Postkunden an einem Schalter im Vorteil Center.
