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Fünfundzwanzigster Blog - Februar 2026

Vom "Eschenbrender Hof" zum "Rheinhotel Schulz"...


Rheinhotel Schulz - das Schmuckstück an der Unkeler Rheinpromenade (2026)
Rheinhotel Schulz - das Schmuckstück an der Unkeler Rheinpromenade (2026)

Das "Rheinhotel Schulz" ehemals "Eschenbrender Hof" blickt auf eine über 500-jährige Geschichte zurück und ist ein echtes Wahrzeichen der Stadt Unkel am Rhein. 

Erfahren Sie mehr über die faszinierende Vergangenheit des Gebäudes und die Persönlichkeiten, die die Geschichte des Gebäudes geprägt haben.

 

 

Die Gebäude an der Unkeler Rheinfront bilden ein harmonisches Ensemble. In ihrer teilweise weit zurückreichenden Geschichte unterscheiden sie sich jedoch erheblich. Der Vorgängerbau des "Rheinhotels Schulz" z.B. kann bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgt werden.

 

Das Kölner Stift Sankt Maria ad gradus brauchte einen neuen Baumeister (= Verwalter) seines umfangreichen Unkeler Grundbesitzes. Johannes Eschenbrender übernahm die Aufgabe.

 

Sein Enkel Adam Eschenbrender ist 1606 als Eigentümer des "Eschenbrender Hofs" nachgewiesen. Weitere Generationen übten wichtige Ämter in Unkel aus.

Im 17. Jahrhundert  erlangte die Familie Eschenbrender über Unkel hinaus große Bedeutung.

 

Der Baumeister und Gerichtsschreiber Johann Adam Eschenbrender und seine begüterte Ehefrau Katharina Nobis hatten 7 Kinder.

Die vier Söhne erhielten eine hervorragende Ausbildung. Andreas stieg als Jurist zum Präsidenten der Hofkammer auf und erlangte die Regentschaft über das Erzstift Kurköln, als der Erzbischof Josef Clemens wegen seiner Verstrickung in den „Spanischen Erbfolgekrieg“ 1704 ins Exil gehen musste.

Der Bruder Arnold Eschenbrender hatte als Syndikus (= Rechtsvertreter) der kurkölnischen Städte ebenfalls großen Einfluss.

Gottfried Eschenbrender (1645 – 1723) war 50 Jahre lang Vikar und Pastor in Unkel.

Er sorgte, auch mit finanzieller Hilfe seiner Brüder, für den Wiederaufstieg der Stadt Unkel nach den Verheerungen durch den Schwedeneinfall 1633 und die Pestseuche 1666/67.

 

Die wertvolle Barockausstattung der Pfarrkirche St. Pantaleon ist Gottfried und seinen Brüdern zu verdanken. Nach Gottfrieds Tod spendeten die Unkeler Bürger in seinem Sinne für die Schaffung der Figuren in der 14-Nothelfer-Kapelle.

Spätere Erben des Eschenbrender Hofs hatten ihren Lebensmittelpunkt meist in anderen Orten und vermieteten das Anwesen.

Als der pensionierte preußische Oberst Heinrich Freiherr von Steinaecker und seine Ehefrau Henriette Elise, geb. von Wittgenstein eine Erzieherin für ihre Töchter benötigten, stellten sie die 22jährige Ida Melos ein.

Die gebildete Professorentochter aus Weimar wusste sofort, wer im Nachbarhaus wohnte.

Sie kannte die Gedichte des gerade berühmt gewordenen Ferdinand Freiligrath. Mit einer Spende für den Wiederaufbau des eingestürzten Rolandsbogens ging sie zu ihm.

Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine große Liebe, die durch alle Höhen und Tiefen ihres gemeinsamen Lebens Bestand behielt.

Wegen des Engagements Ferdinands für Freiheit und Demokratie mussten sie 1844 und 1851 emigrieren. Dazwischen aber, während der Revolution von 1848, kehrten sie zurück.

Freiligrath wurde mit seinen leidenschaftlichen und mahnenden Gedichten zum „Trompeter der Revolution“.

Seine starke moralische Unterstützerin war Ida, seine „Republikanerin“, wie er sie nannte.

 

Der letzte kinderlose Nachkomme der Eschenbrender verkaufte 1876 das Anwesen.

 

Es wurde zum Erholungsheim umgebaut.

Hotel Schulz um 1907 (ehemals Eschenbrender Hof)
Hotel Schulz um 1907 (ehemals Eschenbrender Hof)

Überragende Bedeutung erlangte das Haus nach 1890, als der erfahrene Godesberger Gastronom Robert Schulz einstieg.

Er fokussierte sich erfolgreich auf die gehobene Gesellschaft. Im Hauptgebäude und im sog. Sommergästehaus jenseits der Vogtsgasse verfügte er über eine ausreichende Bettenzahl. Von der Rheinpromenade aus hatte man einen direkten Zugang zur Gartenterrasse, wo man auch in einem verglasten Pavillon sitzen konnte. Spätere Betreiber des Hotels haben den positiv belegten Namen Schulz immer beibehalten.

 

Zwischen 1908 und 1922 war Walter Philipp der Eigentümer und Hotelier.

Unter seiner Leitung erhielt der Speisesaal zur Rheinpromenade hin einen durchgehenden verglasten Vorbau.

Weitere Modernisierungspläne vereitelte der Kriegsausbruch 1914.

Hotel Schulz um 1912
Hotel Schulz um 1912
Hotel Schulz um 1912
Hotel Schulz um 1912

Auch der Hotelverband HORESKA konnte erst 1928, nach überwundener Inflationszeit, das Hotelgebäude modernisieren und erweitern.

Das Nachbarhaus Vogtsgasse 4, die "Sternenburg", wurde als Wohnhaus für den Geschäftsführer und sein Personal  erworben.

1929 kaufte man die nördlich angrenzende Villa Lühlingsgasse 9 hinzu.

Der Unkeler Amtsbürgermeister Oskar von Altrock hatte hier zwei ehemalige Fischerhäuser als Wohnhaus für sich zusammengefasst.

Die HORESKA plante nun eine wesentliche Verlängerung auf 80 Meter und Aufstockung

auf 4 Etagen.

Die Genehmigung verzögerte sich, u.a. weil die Denkmalschützer eine Verschandelung der Unkeler Rheinfront durch ein überdimensioniertes Gebäude befürchteten.

Die aufkommende Wirtschaftskrise, die Deutschland zunehmend lähmte, bewog die HORESKA, von ihren Plänen Abstand zu nehmen.

Hotel Schulz - 1935 (Luftbild)
Hotel Schulz - 1935 (Luftbild)
Hotel Schulz - 1935 (Aufnahme vom Rheinschiff)
Hotel Schulz - 1935 (Aufnahme vom Rheinschiff)

Rheinpromenade vor Hotel Schulz - 1935
Rheinpromenade vor Hotel Schulz - 1935
Verglaster Speisesaal Hotel Schulz - 1935
Verglaster Speisesaal Hotel Schulz - 1935
Hofeinfahrt Hotel Schulz - 1935
Hofeinfahrt Hotel Schulz - 1935

1937 erwarben die Eigentümer des Getränkeherstellers "Rabenhorst", Walter und Günther Lauffs, das gut gehende Hotel.

Aber mit dem Ausbruch des Krieges 1939 brach der Tourismus ein und der Hotelbetrieb ruhte. Während der Besetzung durch die Alliierten war die Hotelanlage beschlagnahmt.

Zahlreiche französische Offiziere waren im Hotel untergebracht, für die deutsche Frauen arbeiten mussten.

1948/49 konnten die Lauffs-Brüder nach etlichen Restaurierungsarbeiten das Hotel wieder eröffnen.

1952 erwarben sie das Eckhaus an der Lühlingsgasse.

Das schiefergedeckte Fachwerkhaus war seit 1870 im Eigentum der englischen Familie Yates gewesen. Der Eisenbahningenieur Frederic Yates hatte maßgeblich an dem Bau der rechtsrheinischen Eisenbahnlinie mitgewirkt.

Über die Malerin Mary Yates gibt das „Buch der Unkeler Künstler“ Auskunft.
1954 erweiterte man das Hotel durch Abriss der Von-Altrock-Villa und Verlängerung des Hauptgebäudes.

 

Hotel Schulz mit neuem Halbturm - 1960
Hotel Schulz mit neuem Halbturm - 1960

Ein markanter Halbturm wurde vor die Fassade gesetzt. Der Küchentrakt an der Vogtsgasse wurde vergrößert und durch eine Überbrückung und Untertunnelung der Gasse zweifach mit dem Sommergästehaus verbunden. 

Hotel Schulz - Hofseite mit Fachwerk - 1960
Hotel Schulz - Hofseite mit Fachwerk - 1960

 

Die Hofseite wurde attraktiver durch Freilegung der Fachwerkwände. 

In den Jahren der „Bonner Republik“ war das Rheinhotel Schulz ein beliebtes Ausflugsziel, auch für die politische Prominenz. So traf sich alljährlich die SPD-Bundestagsfraktion zum Spargelessen im „Schulz“.

 

Walter Lauffs starb 1981, Günther Lauffs 1990. 1997 wurde der Hotelbetrieb an die „Rheinhotel Schulz GmbH.“ verkauft. 

Hotelabriss - 1999
Hotelabriss - 1999

Die Konsequenz war: Das Hauptgebäude wurde komplett abgerissen, weil es angeblich nicht restaurierbar war.

 

Erst nach sechs Jahren konnte im Neubau der Hotelbetrieb wieder anlaufen.

 

 

Weitere Aktionen der Eigentümer empörten die Unkeler und lösten erhebliche Kontroversen aus.

 

Aber das ist eine andere Geschichte.

Erst seit eine erfahrene und ambitionierte Gastronomenfamilie 2025 den Hotelbetrieb übernommen hat, keimt Hoffnung auf, dass der alte Glanz des traditionsreichen Hauses wieder auflebt.

Hotel Schulz - 2026
Hotel Schulz - 2026
Hotel Schulz - Innenhof (2026)
Hotel Schulz - Innenhof (2026)
Hotel Schulz - Rheintertasse (2026)
Hotel Schulz - Rheintertasse (2026)
Hotel Schulz - Treppenaufgang (2026)
Hotel Schulz - Treppenaufgang (2026)


Bildergalerie - Hotel Schulz