Sensationsfund in Unkel: "Die Römer waren doch in Unkel..."
April. April... (Aprilscherz)

Im Unkeler Stadtarchiv ist folgender, lange verschollener, Zeitungsartikel aufgetaucht, der ganz neue Perspektiven auf die römische Vergangenheit Unkels eröffnet:
Presseartikel vom 1. April 1992
Der Sonderkorrespondent L. Uegner berichtet:
„Nach bisheriger Meinung der Historiker gibt es auf Unkeler Boden keinerlei Spuren einer Anwesenheit der Römer in irgendeiner Form. Nunmehr aber muss sich die Fachwelt eines Besseren belehren
lassen. Denn es gab sie doch in Unkel, wie sich durch einen unglaublichen Zufall herausstellen sollte.
Vor einiger Zeit haben unsere Reporter Gesch & Windelt versucht, die Ursachen für die Verzögerungen und Unterbrechungen der
Bauarbeiten, d.h. Verlegung von Abwasserkanal und Pflasterung der Straßendecke, in der Fritz-Henkel-Straße zu ergründen.
Die Arbeiten konnten erst nach 1 ½-jähriger Tätigkeit im Spätherbst letzten Jahres bis auf einige Restarbeiten beendet werden.
Was war geschehen?
Bei den Aushubarbeiten zur Verlegung der Kanalrohre stieß man an mehreren Stellen in ca. 2 Metern Tiefe auf Reste eines gepflasterten Weges.
Prof. Dr. G. Logen mit seiner Assistentin T. Klurev und seinem Sachverständigen für römische Geschichte Dr. Don Erwetter vom Römisch-Germanischen Landesmuseum in Mainz wurden nach dem ersten Fund sofort herbeigerufen.
Von da an wurde mit Erfolg langsam und sorgfältig weitergesucht. Der Baggerführer der Baufirma wurde angewiesen,
sich in erster Linie auf die Sucharbeit zu konzentrieren, wobei unterirdisch verlegte Wasserrohre und elektrische Kabel nicht die sonst gebührende Beachtung finden konnten. Das verzeiht die
häufig beobachteten Unterbrechungen bei Strom und Wasser während der Ausschachtungsarbeiten.
Bei jedem neuen Fund musste wegen Sicherstellung und Konservierung die Baustelle stillgelegt werden.
Um Neugierige fernzuhalten, wurden die Funde bis zur Beendigung der Arbeiten geheim gehalten.
Prof. Dr. G. Logen und seine Mitarbeiter kamen zu dem Schluss, dass es sich um einen Treidelpfad aus römischer Zeit handeln muss. Schleifspuren und Einkerbungen an exponierten Stellen bei der Pflasterung, hervorgerufen von den Seilen, mit denen die Schiffe rheinauf gezogen wurden, führten zu dieser Erkenntnis.
Es wurde in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass Unkel in römischer Zeit linksrheinisch lag.
Damals floss der Hauptstrom des Rheins östlich von Unkel entlang des bekannten alten Rheinbettes, wobei im Norden das linke Ufer etwa in Höhe der heutigen Fritz-Henkel-Straße verlief, während das rechte Ufer gegenüber bei der Alten-Heer-Straße zu suchen ist.
Hierbei beruft sich G. Logen auf den spätrömischen Schriftsteller Quintilius Dovenus, der sich im Vorgebirge, der „Ville“, in der Nähe des heutigen Örtchens Glövstenich niedergelassen hatte.
Jener Dovenus beschrieb in einer seiner Schriften wie oben erwähnt den Rheinlauf, und u.a. auch die damalige Schifffahrt auf dem Rhein und die mühselige Treidelarbeit bei den stromauf zu ziehenden Schiffen.
Die in der Fritz-Henkel-Straße gemachten Funde sind ab 1. April im Röm.-Germanischen Landesmuseum in Mainz zu besichtigen.
Unseren Reportern Gesch & Windelt berichtete die Sprecherin des Rates der Stadt Unkel, Frau V.
Erzell, dass die Erinnerung an die Aufsehen erregenden Funde auch künstlerisch ihren Niederschlag finden sollte. An der nördlichen Einfahrt zur Fr.-Henkel-Str. sollte daher in der
Fahrbahn ein ca. 3 x 3 Meter großes Mosaik in römischer Verlegungsart eingelassen werden.
Die Ausschreibung hierzu gewann der bekannte englische Künstler Q. Watch im Frühherbst letzten Jahres.
Die Baufirma wurde gleichzeitig beauftragt, zur Vorbereitung an der genannten Stelle die neue Asphaltdecke ca. 5 cm tief abzutragen.
Nunmehr, nach 3 Monaten, hat der Anwalt von Q. Watch, Mister Bl. O. Sterjet, den Auftrag ohne Angabe von Gründen zurückgegeben.
So verblieb nur, die Baufirma anzuweisen, den Asphalt wieder aufzufüllen. So ist Unkel um eine künstlerische Bereicherung gekommen, während die anfangs homogene neue Asphaltdecke schon wieder Flickwerk ist. Dabei hatte es sich die Stadt Unkel mit dem Mosaik so schön ausgedacht.
Um eine zu häufige Befahrung zu vermeiden, wurde geplant, zur Vermeidung eines Durchgangsverkehrs die Fr.-Henkel-Str. zur Sackgasse zu erklären mit entsprechender Blockierung der Zufahrt von der Bahnhofstraße aus. Bis zur Entscheidung über die endgültige Gestaltung – Blockierung durch gusseiserne Pfähle oder Blumenkästen – konnten die letzten 7 bis 10 Meter an dieser Stelle nicht gepflastert werden. Schließlich scheiterte aber die Idee einer Sackgasse am Widerstand der Anwohner, was insgesamt eine Verzögerung der Fertigstellung um weitere 6 bis 7 Wochen einbrachte.
So erfreulich es ist, zu wissen, dass es die Römer doch in Unkel gegeben hat, so sollen die sich hieraus
ergebenden Nachteile nicht unerwähnt bleiben. Nachteile für die ausführende Baufirma, die an der zügigen, termingerechten Erledigung der Arbeiten gehindert wurde. Nachteile für die Anrainer, die
alle Unbill einer Baustelle, wie Schmutz, Staub und Lärm zwar über Gebühr lange, aber in Anbetracht der sensationellen Funde gerne und geduldig ertrugen.
Oder, um im Bild bei den Römern zu bleiben:
„suum cuique ! – Jedem das Seine !“
